1. TAG: USHUAIA (54°56'S / 67°36'W)
Die Gruppe wird in Ushuaia (Arg.) an Bord genommen, alle Ein- und Ausreiseformalitäten werden abgewickelt.
Einführung ins Bordleben : Funktionsweise der Salz- bzw. Frischwasserein- u. Ausgänge, Bordelektronik,
Segeltechnik, Ankermanöver, Wetterbedingungen, Sicherheitsmaßnahmen, Routenbeschreibung, Einteilung der
Wachmannschaften und sonstiger Aufgaben an Bord. Segeln auf dem Beagle Kanal bis Puerto Williams
PUERTO WILLIAMS
Wir legen im Seno Lauro bei der Micalvi an, einem verschrotteten chilenischen Marineboot, das als
Yachtanleger und Hafenbar Dienst tut. Der Seno Lauro ist einer der besten Naturhäfen dieser Gegend, mit Blick
auf die schneebedeckten bizarren Gipfel des ;Dientes de Navarino.
In der Hosteria WALA, das hauptsächlich mit yamanischem Kunsthandwerk eingerichtet ist, können wir
vielleicht unsere ersten Centollas (King Crab) genießen. (Die Feuerlandindianer rund um Kap Hoorn wurden
Yamanas genannt). Letzte Endlosduschen an Bord.
2./3. TAG: CALETA MARTIAL (55°50'S / 67°18'W)
Heute werden wir Kap Hoorn erobern - segelnd. Wir umrunden den nördlichen Teil Isla de Hornos erreichen so
den Pazifik und wenden dann Richtung Osten ab. An Backbord sehen wir die Felsen Kap Hoorns, die steil,
unnahbar und unbezwingbar scheinen. Hier stoßen der Pazifik und der Atlantik aufeinander, eine Tatsache die
leicht für unruhigen Seegang sorgen kann.
Der klassische Anblick von Kap Hoorn ist die Steilklippe des südlichen Kaps. Weit unterhalb seines Gipfels steht noch immer der alte Leuchtturm, dessen schwaches Licht ich 1977 sah – doch heute leuchtet er nicht mehr unter den Wolken. Auf freiliegenden Felsen, eine Meile vor der Küste, bricht sich das Meer selbst an einem ruhigen Tag schwer, wenn die Wellen aus dem Südlichen Ozean heranrollen und sich auf dem flachen Schelfwasser auftürmen, 75 Meilen südwestlich davon. (Skip Novak: „Kap Hoorn in geheimnisvollen Schleiern“) . Per Funk nehmen wir letzten Kontakt zu den Leuchtturmwärtern auf.
Sie werden an die Marine Zentrale in Puerto Williams durchgeben, daß wir Kap Hoorn umrundet haben. Zeit für
ein Glas Champagner - wir haben es geschafft. Sobald wir in den Windschatten der Hermite;-Inselgruppe
gelangen, kommen wir wieder in ruhigere Gewässer.
Isla Hornos ist lediglich 9 km lang und 500 Meter hoch. Die Insel ist Teil der Hermite-Gruppe und typisch für
die Vegetation und Fauna dieser Region.
Mit etwas Glück können wir Wale sehen, Commerson- und Dusky-Delphine. Die Totorore Expedition nannte eine Bucht auf der Insel Herschel "Caleta Tonina " da hier immer Delphine anzutreffen sind. Auf den nahegelegenen Inseln werden die Strände teilweise
durch Seerobben belagert. Mollymauk-Albatrosse, Riesenturmvögel (Giant Petrels), Kormorane, Wildgänse,
Raubmöven beherrschen die Lüfte.
Wir lassen die Erlebnisse anderer Segler bei der Umrundung Kap Hoorns an uns Revue passieren. Die meisten
Einhandsegler waren ja froh, wenn sie das Kap gar nicht erst sahen, zu viel Landnähe ist bedrängend. Oder
Nebel versperrte die Sicht. Wie viele mußten nicht unter Motor laufen, um am Kap vorbei zu kommen....
KAP HOORN - Kap der äußersten Herausforderungen - vieler Schicksale und Verzweiflungen - Kap vieler
Seeleute, die hier ihr Leben ließen - Symbol für´;s Ende der Welt
1616 entdeckten Le Maire und van Schouten auf ihrem hollänidischen Expeditionsschiff, der "Eendracht", dieses
Kap und damit einen neuen Seeweg nach Indien. Sie benannten das Kap nach ihrem vor wenigen Wochen
verloren gegangenen Schiff, der Hoorn sowie ihrem Heimathafen, Hoorn an der Zuiderzee. Heimweh war auch
diesen Kapitänen wohl nicht fremd.
Bei gutem Wetter können wir in der Caleta Leòn vor Anker gehen und denLeuchtturmwärter von Kap Hoorn
besuchen. Jeweils für ein Jahr wird eine Chilenische Familie zur Bewachung des Leuchtturms auf der Isla
Hornos stationiert.. Sie leben hier zusammen mit einigen Hunden in einer Blechhütte.
Es gibt eine Kapelle und
eine Postamtshütte, in dem man sich auch in das Gästebuch eintragen kann. Seit einigen Jahren hält dort auch
das französische Denkmal zu Ehren der Kap-Hoorn-Fahrer den endlosen Stürmen stand.
Wir können wir den gewaltigen ozeanischen Wassermassen zusehen, die auf uns zu treiben und von
denen wir annehmen können, daß sie niemals etwas anderes als Kap Hoorn oder die Antarktis zu Gesicht
bekommen haben, denn auf ihrem Weg rund um die Erde liegt weiter kein Land.
Die Aussicht ist atemberaubend: vor uns liegt die Drake-Passage und hinter uns die gewaltige 3000 Meter hohe Darwin-
Bergkette. Diese schneebedeckten Gipfel sind der Anfang der Anden, welche sich bis Venezuela durch den
gesamten südamerikanischen Kontinent ziehen.
Bei ruhigem Wetter können wir in der Caleta Hornos übernachten, festgemacht an der Marine-Boje, ansonsten
ziehen wir uns in die Caleta Martial zurück.
4. TAG: PUERTO TORO (55°05'S / 67°06'W)
Puerto Toro (30 Seemeilen (SM)), der südlichsten menschlichen Siedlung der Erde mit ca. 50 Männern, Frauen
und Kindern. Hier haben wir auf unserem letzten Besuch den scheidenden chilenischen Präsidenten getroffen,
der gerade seinen Abschiedsbesuch hielt. Wer weiß, vielleicht haben wir erneutes Glück.
Wir werden versuchen, mehrere Eimer voll Centollas (King Crab) oder Centollones (False King Crab) gegen
eine Flasche Whisky zu tauschen, so daß für die nächsten Abendessen erst mal gesorgt sein wird.
5. TAG: PUERTO WILLIAMS (54°56'S / 67°36'W)
Ankunft in Puerto Williams, letzte Möglichkeit zum Ausflug zu einigen Biberdämmen oder rauf zum Pico
Navarino, von dem man eine gewaltige Aussicht auf den Beagle Kanal hat. Oder wir arbeiten uns durch das Dickicht des patagonischen Waldes, suchen nach den "pan dos Indios". Dies sind pilzartige Parasiten an den
Bäumen, die früher von den Indianern für Nahrungszwecke gesammelt wurden. Durch diesen Bewuchs bilden
sich an den Stämmen und Ästen Verwachsungen, die nach Abnahme der Rinde (durch mehrstündiges Kochen)
die skurrielsten Formen zu Tage bringen.
USHUAIA
Letzte Ausreiseformalitäten, letztes Mal Beagle Kanal mit der Isla dos Lobos: Seelöwen, Pelzrobben und
Kormorane.
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